Wie du deine Klarheit stärkst, bevor du dein Kind führst
- Michael Bauer
- 5. Juni 2025
- 4 Min. Lesezeit
Ein Impuls für Väter, die bei sich anfangen wollen
Klarheit – klingt einfach. Ist es aber nicht immer.
Warum?
Weil wir geprägt sind von alten Glaubenssätzen und Mustern, die wir für unsere Wahrheit halten – obwohl sie das oft nicht sind.
Und doch: Klarheit ist ein entscheidender Aspekt in der Begleitung deines Kindes.Deshalb lade ich dich ein:
Bevor du deinem Kind etwas abverlangst, es um etwas bittest oder ihm etwas sagst, frag dich:
Warum möchte ich das gerade?
Bin ich in mir klar – oder reagiere ich nur?
Viele Väter wollen präsent, ruhig, klar und verständnisvoll mit ihren Kindern umgehen – doch innerlich tobt das Leben:Stress im Job, ein Gespräch, das nachhängt, tausend Gedanken.
Und dann kommt das Kind – mit Energie, Bedürfnissen, Emotionen.Und du merkst: Du bist gar nicht wirklich da.
Dein Kind spürt deine Klarheit – oder dein inneres Chaos
Kinder hören nicht nur, was du sagst.Sie spüren, wie du bist.Dein Ton. Deine Augen. Deine Körperspannung. Deine Energie.
Du kannst mit liebevoller Stimme sagen:„Räum bitte dein Zimmer auf“ –aber wenn in dir Unklarheit, Druck oder Ärger mitschwingt,wird dein Kind auf das Gefühl reagieren, nicht auf den Inhalt.
Denn:Wenn das Gesagte nicht mit dem Erlebten übereinstimmt, entsteht beim Kind Verwirrung.Das löst innere Unklarheit aus.
Daher die zentrale Frage:Wie klar bin ich gerade mit mir selbst?
Klarheit ist kein Zustand – sie ist eine Praxis
Klarheit heißt nicht, nie zu zweifeln.Klarheit heißt:
Ich spüre, was in mir los ist.
Ich kann unterscheiden: Was gehört zu mir – was zum Kind?
Ich reagiere nicht reflexartig, sondern bewusst.
Ich weiß, was ich will – auch auf einer tieferen Ebene.
Und das braucht Übung. Immer wieder.
Ein Beispiel aus der Begleitung
Ein Vater erzählte mir:
„Wenn ich gestresst von der Arbeit heimkomme und mein Kind mich mit Fragen löchert, werde ich hart und laut.“
In einem gemeinsamen Inspirationsgespräch wurde ihm klar:Nicht die Fragen waren das Problem – sondern sein innerer Zustand.Er wollte präsent sein – konnte aber nicht sofort abschalten. Der Stress aus der Arbeit kam mit nach Hause.
Als ihm das bewusst wurde, konnte er klar kommunizieren:
„Ich brauche einen Moment, um anzukommen.“
Was er sich angewöhnt hat?Nach Hause kommen – und erst mal 15 Minuten spazieren gehen.Dazu: ein paar bewusste Atemzüge.
Klingt banal. Wirkt Wunder.Diese Praxis veränderte seine Abende – und die Beziehung zu seinem Sohn.
Selbstführung vor Kinderführung
Du kannst dein Kind nur so gut begleiten, wie du dich selbst führst.Und Selbstführung beginnt mit Selbstwahrnehmung.
Es geht nicht darum, besser zu sein.Es geht darum, ehrlich mit dir selbst zu sein.
Was dir hilft:
Du wirst nicht sofort laut, wenn dein Kind laut wird.
Du gibst nicht aus Unsicherheit nach, wenn dein Kind bittet oder bettelt.
Du kannst unterscheiden: Was ist meins – was gehört zum Kind?
Kinder brauchen keine perfekten Eltern.Aber sie brauchen Erwachsene, die sich selbst führen können.
Klarheit braucht Kontakt mit dir selbst
Fragen, die dir helfen können:
Was spüre ich gerade – körperlich und emotional?
Was ist mein Bedürfnis in diesem Moment?
Reagiere ich gerade aus einem alten Muster?
Klarheit beginnt, wenn du dir selbst ehrlich begegnest – bevor du deinem Kind begegnest.
Kinder testen keine Grenzen – sie suchen Klarheit
Oft höre ich:
„Mein Kind testet ständig meine Grenzen.“
Dann frage ich gern zurück:
Testet es wirklich – oder sucht es Halt?
Kinder suchen jemanden, der innerlich klar ist.
Nicht streng. Nicht perfekt. Aber aufgeräumt.
Wenn du klar bist, brauchst du weniger kämpfen.
Weil dein Kind sich durch deinen Zustand gehalten fühlt – nicht durch deine Worte.
Drei Mikro-Übungen für mehr Klarheit im Alltag
1. Drei bewusste Atemzüge
Bevor du reagierst – atme.Tief. Ruhig. In Bauch und Beckenboden.Komm zurück ins Hier & Jetzt.
2. Körper-Check
Frag dich:
Was spüre ich gerade?
Wo sitzt Spannung?
Worum geht’s mir wirklich?
3. Frage vor der Reaktion
Was brauche ich jetzt – Pause, Kontakt, Rückzug?
Klarheit als Vorbild
Dein Kind lernt nicht durch Appelle –es lernt durch dein Sein.
Wenn du mit dir selbst klarer wirst, lernt dein Kind:
Gefühle dürfen da sein
Man darf spüren
Man darf innehalten – statt zu explodieren
Du lebst vor, wie emotionale Reife aussieht. Ohne Worte.
Ein persönliches Beispiel
Ich erinnere mich an einen Abend, an dem ich innerlich zerrissen war.Stress, Erwartungen, kaum Zeit für mich.
Mein Sohn wollte spielen.Ich war so genervt, dass ich im ersten Impuls sagte:
„Gib a Ruh – nicht jetzt!“
Doch ich spürte sofort: Das war nicht ich.Das war Druck, der in mir saß.
Ich ging zu ihm, schaute ihn an und sagte:
„Du, sorry. Ich bin gerade nicht ganz bei mir. Gib mir bitte 20 Minuten – dann können wir gerne spielen.“
Ich setzte mich auf die Couch, atmete, spürte, sortierte mich.
Als ich wieder bei mir war – klar, präsent – kam mein Sohn einfach und legte sich an meine Seite.
Kein Kampf. Nur Nähe.
Schlussimpuls
Klarheit ist nichts, was du einmal findest und dann hast.Sie ist ein innerer Weg. Eine tägliche Einladung.
Manchmal unbequem – aber immer kraftvoll.
Für mich ist gelebte Kommunikation aus dem Dreieck von
Klarheit - über das was ich will
Mut - das was ich will auch auszusprechen
Demut - meinem Gegenüber auf Augenhöhe zu begegnen und zu verstehen.
Wenn du dein Kind führen willst, fang bei dir an.
Nicht mit Selbstoptimierung – sondern mit Bewusstsein.
Du kannst dein Kind nur so gut begleiten, wie du dich selbst führst.
Reflexionsfragen
🌀 Was hilft dir, bei dir selbst anzukommen?
🌀 Wann bist du am ehesten in deiner Mitte – und wann verlierst du sie?
🌀 Was wäre eine kleine tägliche Übung für mehr innere Klarheit?
Danke, dass du dir Zeit nimmst – für dich. Für dein Kind. Für eure Beziehung.
Dein Mike von Inspirare




Kommentare